Alternatives Handwerk

Alternativen zur Industriekultur propagierte bekanntlich schon die "Arts and Crafts" Bewegung. Und viele ihrer Argumente berühren uns heute noch. Doch gegen die technische und ökonomische Dynamik der Fließbänder war die individuelle Fertigung im letzten Jahrhundert noch machtlos.


Gegen Ende der 1960er Jahre entwickelte sich immerhin eine erneute Kritik an der industriellen "Massenproduktkultur", doch die führte zunächst nur zu Korrekturen. Eine wirkliche Alternative zum Lebens- und Produktionsstil der Moderne war einfach noch nicht vorstellbar.


Erst das 1972 erschienene Buch die "Grenzen des Wachstums" konnte eine Alternativbewegung auslösen, bei der sich, kurz gesagt, Hippies mit ökologischem Bewusstsein mittels "alternativer Landwirtschaft" und "alternativem Handwerk" selbstständig machen wollten – um aus der Industriekultur "auszusteigen".












                                  Christiania Dänemark 1975



Heute und aus der Sicht des Design liefern die Arbeiten von Martina Fineder den wohl umfassendsten Rückblick auf die "Alternativkultur" der 1970er Jahre. Vortrag 2014 . Die zu Grunde liegende Dissertation erscheint demnächst.


Die Bandbreite des "Alternativen Handwerks" reichte damals tatsächlich vom verwegenen Anspruch, das Tischlerhandwerk nur noch mit einem Messer auszuüben, bis zu den Ansätzen der Des-In Gruppe, die auch Baupläne zum Selber-Machen, oder für den Nebenerwerb herausgab und mit einfachen Vorrichtungen rentablere Kleinserien anstrebte.


Wie das Alternative Handwerk insgesamt, musste auch Des-In scheitern, trotz extrem reduzierter Konsumansprüche, trotz radial eingeschränkter Komfortstandards, trotz einer ins positive gewendeten Ästhetik der "armen" Materialien, der unperfekten Bearbeitung, der glanzlosen Oberflächen.

Und dann drehte auch noch der Zeitgeist: von der Suche nach radikalen Alternativen hin zur Verdrängung und Verharmlosung der Grenzen  des Wachstums – vor allem durch die Suche nach rein technischen Lösungen für die ökologische Problematik unseres  Produktions- und Lebensstils. Ablesbar nicht zuletzt an der enttäuschenden Geschichte der "GRÜNEN".






Inzwischen allerdings, d.h. seit der Entwicklung Computer gesteuerter "Handwerkzeuge", könnten viele der damaligen Ideen und Experimente durchaus in neuen Formen wieder auftauchen. Vor allem wären jetzt  z.B. Lebensstil-Versuche wie "Simple Life" noch viel weiter gehend mit der neohandwerklichen Produktionsweise zu fundieren, so wie anfänglich in der "Maker" Szene. Aber auch Parallelen, wie bei der Entwicklung alternativer Zeitschriften und Märkte, werden jetzt offensichtlich. Nur, eine politische Leitlinie, wie sie von der Alternativkultur der 1970er Jahre  bis hin zur Gründung einer GRÜNEN Partei geführt hat, die ist in den heutigen Alternativen noch kaum zu erkennen.


Von besonderem Interesse erscheint hier auch die neue Ökonomie des digitalen Handwerks. Denn während das "alternative Handwerk" immer hinter der industriellen Produktion her hinkte, setzt die neue Form der individuellen Fertigung bereits dazu an, die Massenproduktion gewissermaßen auf der digitalen Spur zu überholen.


Als kleines, aber exemplarisches Beispiel hierzu habe ich auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Designgeschichte 2014 vorgestellt.

Der Vortrag beschreibt den Weg vom Do-it-Yourself in der alternativen Kleinserie bis zum Make-it-Yourself mit Computer gesteuerten Werkzeugen am Beispiel der zunächst bei Des-In gefertigten und bis heute von Richhard Lampert vertriebenen "Alu Alu" Uhr.



















Es folgt nun zunächst ein Rückblick auf das "Alternative Handwerk" am Beispiel der Des-In Gruppe und dann ein Ausblick auf das "Digitale Handwerk", beginnend 1994 mit der Gründung des C-Labors an der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach.


















Digitales Handwerk

Jochen Gros, Original "Alu Alu" Uhr aus der Schilderpresse, Des-In 1975

Gros 1975

Sperrholz

"Laser Laser" Uhr, 2013

Digitales Handwerk

Kork

Plexiglas